Zusammenfassung
1. In der vollentwickelten Kolonie von E. galea treten neben Normaltieren Makronten und Mikronten auf.
2. Alle Koloniemitglieder sind typische Epistylis-Zooide. Für die Art charakteristisch ist der sehr lange, röhrenförmige Pharynx.
3. Bei der Teilung bleibt eine Plasmabrücke zwischen den Tochtertieren bestehen. Es entstehen durch Plasmabrücken verbundene Zooidverbände, die aus bis zu 16 Einzelindividuen bestehen. Später löst sich der Zentralzylinder der Brücke auf und die Zooide bleiben durch einen Ring plasmatischer Fäden miteinander verbunden. Durch diese Verbandsbildung ist eine gegenseitige Beeinflussung der Zooide möglich.
4. Ein Großteil der Makronten verläßt als Schwärmer mit aboralem Pectinellenkranz (vor allem in den Abendstunden) die Kolonie.
5. In den frühen Morgenstunden gehen auch Mikronten in die Schwärmphase über. Diese Mikrogamonten konjugieren mit den noch solitären Primärtieren, die sich aus dem mindestens 6 Stunden vorher gebildeten Makrontenschwärmern entwickelt haben.
6. Der festgesetzte Makrontenschwärmer wird zum Primärzooid, das den primären Stiel sezerniert.
7. Vor dem 4. Teilungsschritt werden die plasmatischen Verbindungen gelöst, nach der 4. Teilung bleiben die Zooide durch Plasmabrücken in Verbindung. Die Kolonie erhält einen fächerartigen Aufbau und setzt sich in der Regel aus 8 Hauptfächern zusammen.
8. Während ihrer Entwicklung besteht die Kolonie nur aus Normaltieren. Drei Teilungsschritte vor dem Endzustand eines Teilfächers beginnt die Differenzierung in Makronten und Mikronten. Nur das oberste Tier der jeweils obersten Teilung innerhalb der letzten drei Teilungsschritte hat Makrontenpotenz. Die letzte Teilung führt zur Mikrontenbildung.
9. Einige Makronten der vollentwickelten Kolonie encystieren sich. Die Ektocyste weist ringförmig angeordnete Eindellungen auf. Am aboralen Pol bildet die Ektocyste eine dünne Membran, die beim Schlüpfen des Schwärmers reißt. Hoher Sauerstoffgehalt und hohe Temperatur des Wassers begünstigen die Cystenbildung.
10. Wir fanden E. galea in einem Karpfenweiher auf Iris und Typha. Vorwiegend die Schattenseite der beiden äußeren Blätter wurde besetzt, wobei ein bestimmter Verschmutznngsgrad der Blätter Voraussetzung war.
11. In ihrer Verbreitung ist E. galea stark vom pH-Wert abhängig. Die Entwicklungsgeschwindigkeit der Kolonie steigt mit der Temperatur.
12. In den unteren Kolonienbereichen kommt es zu Detritusansammlungen, in denen sich bdelloide Rotatorien aufhalten. Mikronten frißt das Holotrich Trachelius ovum.
13. Zooidpolymorphismus ist vor allem in der Gattung Zoothamnium verbreitet. Innerhalb der Epistyliden ist er eine seltene Erscheinung (Systylis hoffi, Ballodora). In allen polymorphen Peritrichenkolonien (mit Ausnahme der Ballodoren) sind die Makronten Koloniengründer.
14. E. galea wird in der Gattung Epistylis belassen. Auch für Systylis hoffi sollte man auf ein eigenes Genus verzichten.