3. Teilung und Verbandsbildung
Tiere, die sich auf die Teilung vorbereiten, sind daran zu erkennen, daß sich die Kegelform des Zooids durch allseitige Abrundung der Form einer Birne nähert (Abb. 7, Abb. 8 a, b). In dieser Phase beginnt sich bereits der lange, wurstförmige Makronucleus zu verkürzen. Während der Bauch der "Birne" dicker wird, verflacht der Peristomwulst und der Diskus wird eingezogen. Von der Buccalhöhle ist nur noch ein adoraler Abschnitt erkennbar. Die kontraktile Vakuole bleibt in Tätigkeit, jedoch mit verminderter Pulsationsfrequenz. Schließlich erscheint das Zooid als kugeliges, zur Scopula hin ausgezogenes Gebilde. Der Makronucleus hat sich inzwischen zu einer Kugel kondensiert, in der keine schollenartigen Einschlüsse mehr feststellbar sind (Abb. 8c).
Zu diesem Zeitpunkt hat sich die Scopula bereits zweigeteilt, und auf dem alten Stiel sind die Stiele der zukünftigen Tochtertiere bereits ein kleines Stück gewachsen. Diese beiden Stiele liegen einander eng an und sind an ihren Berührungsseiten abgeflacht, im Querschnitt also halbmondförmig. Der Makronucleus verliert seine Kugelgestalt und verlängert sich in Querrichtung zu der bei Peritrichen-Teilungen üblichen Form. Die Teilung des Plasmakörpers schreitet dann adoral und aboral fort (Abb. 8 d). Wenn die Durchschnürung etwa bis zur Mitte gediehen ist, beginnen die Tochtertiere einen neuen Diskus zu bilden, der sich allmählich aus der Peristomöffnung heraushebt. Der Makronucleus behält jedoch seine Hantelform bei und teilt sich erst kurz vor Abschluß der Teilung, um dann wieder nach Streckung seine normale Gestalt anzunehmen.
Doch in einer Hinsicht verläuft die Teilung durchaus nicht normal. Im aboralen Bereich mußten wir Vorgänge konstatieren, die in der Ordnung Peritricha bisher noch nie beobachtet wurden und einen bisher einmaligen Vorgang darstellen.
Dicht oberhalb der Scopula bleibt ein Plasmabereich von der Durchschnürung ausgeschlossen, und es persistiert eine Plasmabrücke zwischen den Tochtertieren. Oberhalb dieser Brücke läuft jedoch die Teilung weiter, um Anschluß an die von adoral fortschreitende Einschnürung zu finden (Abb. 9, Abb. 10).
Diese Plasmabrücke bleibt auch dann noch bestehen, wenn sich die Tochtertiere erneut geteilt haben, und zwar ebenfalls unter Beibehaltung einer derartigen plasmatischen Verbindung. Es entstehen so durch Plasmabrücken verbundene Zooidverbände, die aus bis zu 16 Einzelindividuen bestehen (Abb. 11). Ist ein solcher Verband mehrere Stunden alt, dann löst sich der periphere Anteil der Brücke in einzelne plasmatische Fäden auf, und der Zentralzylinder der Brücke verfällt der völligen Auflösung. So sind die Zooide schließlich durch einen Ring plasmatischer Fäden miteinander verbunden (Abb. 12, Abb. 13). Bei mechanischer Beanspruchung durch Zug können sich die Plasmafäden stark dehnen (Abb. 14). Schreitet ein Zooid zur Encystierung, oder verläßt es als Schwärmer den Verband, dann wird die plasmatischc Verbindung gelöst. Zur Auflösung der Verbände kommt es auch im Laufe der Kolonialentwicklung. Die für E. galea charakteristische Verbandsbildung ist für die Entwicklung der Kolonie von großer Bedeutung, machen doch unsere morphologischen Befunde eine gegenseitige Beeinflussung der Zooide über diese plasmatischen Brücke außerordentlich wahrscheinlich (s. Kap. 6).