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4. Schwärmerbildung und Koloniegründung

Die Makronten der vollentwickelten Kolonie haben zweierlei Aufgaben. Sie bilden Cysten oder verwandeln sich zu Schwärmern, von denen die Gründung neuer Kolonien ausgeht.

Hat eine Kolonie ein bestimmtes Alter erreicht oder treten schlechte Umweltbedingungen auf, beginnt ein Großteil der Makronten sich zu Schwärmern umzuformen. Zuerst wird der aborale Pectinellenkranz ausgebildet (Abb. 15a). Dies geschieht genau am Pellicularring. Ist der Pectinellenkranz fertiggestellt, kontrahiert sich der Zooidkörper in Längsrichtung. Dabei legt sich eine Körperfalte über den Pectinellensaum (Abb. 15b). Durch weitere Kontraktion kommt es dann zu einer Querfaltung des Körpers. Vor der Ablösung des Schwärmers verändert der Makronucleus seine Lage, um eine weite Spirale zu bilden. Das Peristom bleibt bis zur Ablösung entfaltet und in Tätigkeit. Abb. 15 c zeigt ein Tier kurz vor dem Verlassen des Stieles. Im Moment der Ablösung wird der Diskus eingezogen, der Peristomrand kontrahiert sich und die adorale Spirale stellt ihre Tätigkeit ein. Schließlich wird auch noch die Kontraktion des oberhalb des Pectinellenkranzes liegenden Hauptabschnittes des Schwärmerkörpers aufgehoben und dieser nimmt eine tonnenförmige, aber leicht konische Gestalt an. Die Ablösung vom Stiel geht nicht so mühsam wie bei vielen Peritrichen vor sich, sondern man hat den Eindruck, der Schwärmer fällt vom Stiel ab.

Der abgelöste Schwärmer (Abb. 15d; 200 µm lang, 100 µm breit) bleibt noch bis zu 15 Sekunden in der Kolonie, um diese dann rasch zu verlassen. Da er sehr schnell schwimmt (dreimal so schnell wie ein Paramecium), ist er schwer zu beobachten. Auch genügt der geringste Deckglasdruck, um die prall mit Nahrungsvakuolen gefüllten Schwärmer zum Platzen zu bringen.

Der freischwimmende Schwärmer verharrt fast an jedem Pflanzen- oder Detritusteilchen, auf das er trifft, etwa 2-5 Sekunden und schwimmt dann weiter, wenn ihm das Substrat nicht zusagt. Findet er jedoch eine geeignete Unterlage, drückt er den innerhalb des Pectinellenkranzes liegenden Basalkegel dem Substrat an und scheidet Kittsubstanz in Form einer Scheibe von ca. 80 µm Durchmesser ab. Sie ist die Basalplatte des Hauptstieles, mittels derer die künftige Kolonie mit der Unterlage verhaftet bleibt (Abb. 16a). Zu diesem Zeitpunkt ist das Peristom bereits wieder ausgestülpt und der Pectinellenkranz wird eingeschmolzen. Der Basalplatte wird nunmehr der zunächst 20-25 um dicke primäre Stiel aufgesetzt, der deutlich Längsfibrillen erkennen läßt (Abb. 16b).

Die Bildung der Makrontenschwärmer war am sichersten in den Abendstunden zu beobachten.