8. Ökologie
Der Karpfenweiher, in dem wir 1968 von Ende Juni bis Mitte Oktober E. galea fanden, ist einer von vielen innerhalb eines flachen Gebietes (Röttenbach), das von Nadel- und Mischwald eingesäumt wird. Die Größe des Weihers beträgt ca. 5000 m2.
Der pH-Wert des Wassers, der im Abstand von je 10 m am Ufer des Weihers gemessen wurde, schwankte zwischen 6 und 8. Das Ufer ist regelmäßig mit Iris und Typha, bewachsen. Der Wasserstand differierte in der Untersuchungszeit um etwa 10 cm.
E. galea besetzte vorwiegend die Schattenseite der beiden äußeren Blätter der genannten Pflanzen. Wir fanden die Kolonien dicht unter der Wasseroberfläche bis hinab zu einer Tiefe von etwa 30 cm. Charakteristisch für die mit E. galea besetzten Blätter ist ein ganz bestimmter Verschmutzungsgrad. Mit bloßem Auge völlig sauber erscheinende Blätter zeigen unter dem Stereomikroskop einen leichten Bewuchs mit Vorticelliden und einzelligen Algen. Erst bei leichter Braunfärbung durch Diatomeenbewuchs, sind die Blätter mit E. galea besetzt. Neben Vorticelliden findet man dann auch Campanella umbellaria. Bei hohen Wassertemperaturen gesellt sich auch Epistylis plicatilis hinzu. In ihrer Verbreitung ist E. galea stark vom pH-Wert abhängig.
Wir fanden sie stets in einer bestimmten Ecke des Weihers, in der ein konstanter pH von 6,5 herrschte. Dieser Wert änderte sich nur ein einziges Mal dadurch, daß der Besitzer seinen Weiher mit Hühnermist düngte. Der pH-Wert stieg daraufhin für 2 Wochen auf etwa 7,5 an, was ein totales Verschwinden der Tiere zur Folge hatte. Nach Sinken des pH-Wertes auf 6,5 war E. galea wieder zu finden. Auch an einer vom "Stammplatz" weiter entfernten Stelle trat E. galea erst auf, als auch dort der pH-Wert 6,5 betrug. Diese Kolonien kamen aber nicht zur maximalen Entwicklung. Stärkere Sonneneinstrahlung oder ein 15 m entfernter Zufluß könnten vielleicht der Grund für diese Entwicklungshemmung sein.
Wir legten bereits dar, daß die Cystentwicklung temperaturabhängig ist. Dies gilt auch für die gesamte Entwicklung der Kolonie. Ihre Entwicklungsgeschwindigkeit steigt mit der Temperatur. Unterhalb von 10-12 °C ist die Schwärmerbildung verlangsamt. Man findet dann nur selten Kolonien. Auch die Anzahl der jungen Kolonien ist gering, und man begegnet ihnen nur dicht neben alten Kolonien, von denen sie höchstens 3 cm entfernt sind. Die Schwärmer sind also nicht so aktiv wie bei Tageshöchsttemperaturen von 18 °C, wo bereits eine starke räumliche Ausbreitung festzustellen ist.
Leichte Wasserströmung schadet den Kolonien nicht. Stärkere Strömung (Weiherzufluß!) vertragen die Tiere nicht. Sie werden vom Stiel abgerissen und gehen zugrunde.