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Apiosoma piscicola BLANCHARD, 1885

Syn.: Glossatella piscicola (BLANCHARD, 1885) KAHL, 1935
Glossatella cyprini SRAMEK-HUSEK, 1953
Glossatella cylindriformis CHEN, 1956
Apiosoma magna BANINA, 1968
Trägertiere: Alburnus alburnus,
Blicca björkna,
Carassius carassius,
Gyprinus carpio,
Gobio gobio,
Leucaspius delineatus,
Leuciscus leuciscus,
Perca fluviatilis,
Rutilus rutilus,
Scardinius erythrophtalmus,
Squalius cephalus,
Salmo trutta f. fario,
Salmo gairdneri
Nach Angaben früherer Autoren auch auf
Abramis brama,
Barbus barbus,
Carassius auratus gibelio,
Coregonus albula,
Leuciscus idus,
Rhodeus sericeus
Lokalisation: Kiemen,
Flossen,
Haut

Maße: Körperlänge 45 - 80 µm
(nach Lit. 27 - 130 µm)
Dicke 19 - 36 µm

Diese von BLANCHARD beschriebene Art ist die bisher am genauesten beschriebene, sie war deshalb eindeutig identifizierbar. Gleichzeitig stellt sie die verbreitetste und am wenigsten spezifische Apiosoma-Art dar. Diese geringe Spezifität zeigt sich bei der Betrachtung der Trägertiere, die den verschiedensten Familien angehören. Entsprechend der Verbreitung auf Fischen mit sehr unterschiedlicher Körpergröße variiert die Körpergröße von A. piscicola in weiten Grenzen.

Der Körper hat im typischen Fall keulenförmiges Aussehen, wobei der basale Teil ausgeprägt stielartig geformt ist. Dieser stielartige Teil des Körpers variiert meistens sehr stark in seiner Länge und Dicke, dagegen bleibt der Durchmesser der Scopula im Verhältnis zur Körpergröße relativ konstant. Das Peristom wird bei den meisten Tieren schief gestellt, der breite Discus ist fast flach und kaum über den Peristomrand hinausgehoben. Die schmale Peristomlippe hat nie wulstartiges Aussehen.

Die Pectinellenbildungszone liegt oberhalb der Körpermitte und ist stets deutlich zu erkennen. Auch die Querstreifung der Pellicula ist immer gut ausgeprägt und gleichmäßig. Die Buccalhöhle mündet sehr flach, seitlich von ihr liegt die kontraktile Vakuole. Der Makronucleus, dessen obere Grenze von der Pectinellenbildungszone markiert wird, hat die Form eines im basalen Teil zugespitzten und oben deutlich gerundeten Kegels. Die Höhe dieses Kegels übertrifft in den meisten Fällen das doppelte seines Durchmessers. Die Scopula ist meistens ein kleines Stück breiter als der über ihr stehende Teil des Körpers, der bei stark verlängerten Tieren oft nur noch die halbe Breite der Scopula aufweist. Innen ist die Scopula zum Tier hin eingesenkt.

Bei A. piscicola kann man häufig die Konjugation beobachten. Dabei setzt sich der Mikrogamont, dessen Bildung nicht beobachtet werden konnte, oberhalb der Pectinellenbildungszone seitlich am Makrogamonten fest; er wird später resorbiert.

Diskussion:

Wie von anderen Apiosomen werden auch von A. piscicola Jungfische als Trägertiere bevorzugt. So kommt es häufig vor, daß die Kiemen bei Fischbrut so dicht besetzt sind, daß zwischen den Peritrichen auf der Kieme kaum noch Raum übrigbleibt. Dieser Massenbesatz kommt immer dann zustande, wenn das Gewässer stark eutrophiert ist. Bei steigender Wassertemperatur und der damit verbundenen Erhöhung der Sauerstoffzehrung geht die "Befallsquote" deutlich und rasch wieder zurück, so daß man in den Sommermonaten Juni bis September mit Sicherheit jeden Massenbesatz ausschließen kann. Ich konnte nie beobachten, daß bei Fischbrut auf Grund eines Massenbesatzes Todesfälle in bemerkbarer Häufigkeit auftraten. Wenn Ausfälle bei Fischbrut auftraten, zeigte sich immer wieder, daß die Ursache nicht bei den Epizoen, sondern bei bekannten Fischkrankheiten und Parasitosen oder bei zulaufendem Abwasser zu finden war.

Eine intereseante Erscheinung ist das Verhalten von A. piscicola bei plötzllch eintretendem Sauerstoffmangel. Im Gegenaatz zu anderen Apiosomen wird bei großen Individuen hierbei das Peristom nicht kontrahiert; es kann nicht ausgeschlossen werden, daß die Fähigkeit zur normalen Kontraktion auf Grund eines hohen Nahrungsangebotes und des damit verbundenen optimalen Ernährungszustandes verlorengeht. So konnte bei solchen besonders gut genährten Tieren immer wieder beobachtet werden, daß sie bei dem normalerweise rasch eintretenden Sauerstoffmangel während der Untersuchung ihr Peristom nicht mehr kontrahierten. Auch die Bewimperung des Peristoms blieb fast unverändert in Tätigkeit. Im Gegensatz zu normalen Tieren rundete sich jedoch der Peristombereich ab und die Peristomlippe wurde wulstartig - eine Veränderung durch Einflüsse, deren Ursache in der Untersuchungsmethode zu finden ist. Neben dieser Veränderung des Peristombereichs kam es auch noch zu einer deutlichen Verkürzung des Makronucleus.

Dieses Verhalten von A. piscicola zeigt deutlich, wie wichtig eine möglichst schnelle Untersuchung der Apiosomen ist, da es sonst auf Grund sekundärer Veränderungen zu Fehlschlüssen kommen kann. BANINA beschreibt 1968 eine Apiosoma magna, die sich von A. piscicola durch einen kürzeren Makronucleus, dickeren Stielteil des Körpers und eine wulstartige Peristomlippe unterscheidet. Dieae A. magna gleicht in allen Punkten den beobachteten unter Sauerstoffmangel stehenden Tieren mit vorangegangenem optimalen Nahrungsangebot. Aus diesem Grund neige ich zu der Ansicht, daß A. magna BANINA, 1968 mit A. piscicola BLANCHARD identisch ist.

       

Abb.18. Apiosoma piscicola BLANCHARD, 1885; a nach BLANCHARD, b ein leicht verkürztes Tier von Squalius cephalus juv. (Kieme), c in Konjugation; der Mikrokonjugant besitzt einen runden Makronucleus.

Abb. 18a. Mikrofotos von Apiosoma piscicola BLANCHARD, 1885