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IV. Der Einfluß von
Gewässertyp und Wasserqualität auf den Besatz der Fische mit Apiosoma

Bei der Untersuchung der verschiedenen Gewässer nahmen die ablaßbaren Karpfenteiche immer eine Sonderstellung ein. So ist die Wasserqualität bei fast allen Teichen mit den gleichen Faktoren zu charakterisieren. Die Teiche werden im Frühjahr gekalkt und später gedüngt. Diese Behandlung hat zur Folge, daß das SBV ( = Säurebindungsvermögen = Karbonathärte) einen während des ganzen Jahres relativ konstanten Wert zwischen 2,5 und 3,5 hat.

Der Phosphatgehalt ist auf Grund der Düngung zunächst hoch (bis 12 mg/l), er sinkt aber später relativ schnell ab und beträgt im September oft weniger als 0,2 mg/l. Der pH-Wert beträgt im Frühjahr 7-8, er sinkt im Sommer auf 6,5-7,5 ab und behält diesen Wert bis zur Abfischung (Tagesmittelwerte).

Ein geringer Gehalt an Detergentien war im Teichwasser ebenfalls festzustellen - in den letzten 2 Jahren stieg die Detergentienkonzentration merklich an. In manchen Teichen kann ab Anfang August ein geringer, wechselnder Gehalt an Ammoniumionen festgestellt werden, was auf eine zu intensive Fütterung der Fische zurückzuführen ist. Im Sommer steigt die Wassertemperatur auf 26 °C, zur Zeit der Abfischung beträgt sie 8-12 °C.

Naturgemäß ist das Artenspektrum der Fische in den Teichen viel geringer als das von Fließgewässern. Dieses Artenspektrum unterliegt einer deutlichen Beziehung zur Entfernung zwischen Teich und dem nächsten natürlichen Fließgewässer, denn je näher der Teich an einem solchen Gewässer liegt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit des Einwanderns von "teichfremden" Fischarten. Mit diesen einwandernden Fischarten kommen dann auch Apiosoma-Arten in die Teiche, die dort sonst nicht zu finden sind, sei es auf Grund des Einstreuens von Kalk oder durch die winterliche Trockenlegung der Teiche.

Sehr auffällig ist bei den Fischen aus Teichen, daß die auf ihnen vorkommenden Apiosoma-Arten meistens in Form eines Massenbesatzes zu finden sind. Hierbei überwiegt immer nur eine Apiosoma-Art pro Fischart. Aus diesem Grund genügt es, zwei Tiere einer Fischart aus einem Teich zu untersuchen, um zu wissen, ob Apiosomen vorhanden sind oder nicht.

Nicht nur das Spektrum der Fischarten, sondern auch das der Apiosoma-Arten ist für Teiche typisch, was aus nachstehender Tabelle 8 hervorgeht:

Im Gegensatz zu den ablaßbaren Teichen weisen die Fließgewässer der Brachsenregion natürlich ein sehr großes Spektrum der Fischarten auf. Man müßte auf Grund dieses Spektrums auch ein entsprechend großes Spektrum der Apiosoma-Arten erwarten. Überraschenderweise liegt bei diesen Fließgewässern ein gleich großes Artenspektrum der Apiosomen vor, jedoch handelt es sich bei der Mehrzahl um andere Apiosoma-Arten. Ein deutlicher Unterschied zeigt sich bei der Betrachtung der Quantität des Apiosoma-Besatzes. Während in den Teichen der Apiosomenbesatz der Fische mit bestimmten Apiosoma-Arten charakteristisch war (A. carpelli - piscicola - gobionis - campanulata - phoxini - gasterostei), sind bei diesen Fließgewässern mehrere Apiosoma-Arten nebeneinander und nur in geringer Zahl zu finden. Der Grand für diesen geringeren Besatz ist in der Strömung der Gewässer zu suchen, denn es tritt sofort ein Massenbesatz auf, wenn Fische nach einer Überschwemmung in zurückbleibenden Tümpeln verbleiben. Allerdings handelt es sich dann um einen gemischten Massenbesatz (z.B. Gobio gobio mit A. piscicola - carpelli und - gobionis). Neben dem Einfluß der Strömung auf den Besatz mit Apiosomen muß auch der Einfluß des Detergenziengehaltes erwähnt werden, auf den ich anschließend näher eingehe.

Tabelle 2: Die Fisch- und Apiosoma-Arten in Teichen

Fischart guhli fili-
formis
sie-
wingi
ex-
tensa
com-
pacta
mini-
micro-
nucleata
car-
pelli
amoeba pisci-
cola
gobi-
onis
cam-
panu-
la
baueri pho-
xini
gas-
tero-
stei
Phoxinus
phoxinus
- + + + + - - - - - - - + -
Leucaspius delineatus - - - - - - - - - - - - - -
Tinca tinca - - - - - - - - - - - - - -
Gobio gobio - - - - - - + - - + - - - -
Rhodeus
amarus
- - - - - - - - - - - - - -
Carassius
carassius
- - - - - - + - + - - - - -
Cyprinus
carpio
- - - - - - + - + - - - - -
Nemachilus barbatulus - - - - - - - - - - - - - -
Misgurnus
fossilis
- - - - - - - - - - - - - -
Anguilla
anguilla
- - - - - - - - - - - - - -
Esox lucius - - - - - + - - - - + + - -
Lucioperca lucioperca - - - - - - - - - - + - - -
Perca
fluviatilis
- - - - - + - - + - + + - -
Gasterosteus aculeatus - - - - - - - - - - - - - +
Pygosteus
pungitius
+ - - - - - - + - - - - -

Im Bereich der Fließgewässer der Brachsenregion konnte ich auch einige Teiche unterschiedlicher Größe untersuchen, die nicht abgelassen werden können und unter dem Einfluß der jährlich wiederkehrenden Überschwemmungen stehen. Auf Grund der Überschwemmungen und der anschließenden Abgeschlossenheit verhalten sich diese Gewässer hinsichtlich des Artenspektrums von Fischen und Apiosomen sowohl wie die ablaßbaren Karpfenteiche als auch wie Fließgewässer. Bezüglich der abiotischen Faktoren nehmen diese Teiche eine Mittelstellung ein, denn sie werden weder gekalkt noch gedüngt, zeigen aber im Gegensatz zu den Fließgewässern der Jahreszeit unterworfene Schwankungen von pH-Wert, Phosphatgehalt und SBV. Verunreinigung durch Abwässer war nicht festzustellen.

Tabelle 3 Fischarten und Apiosomen der Fließgewässer der Brachsenregion (incl. Altwässer)

leu-
cis-
cus
mini-
micro-
nucle-
ata
car-
pelli
pisci-
cola
robu-
sta
gobi-
onis
bani-
nae
tret-
zeli
matt-
hesi
cam-
panu-
lata
lomi al-
burni
maxi-
ma
Leuciscus
leuciscus
- - - + - - + - - - + - -
Rutilus rutilus - - - - - - - - - - - - -
Scardinius
erythrophthalmus
+ - - - - - - - - - - - -
Squalius cephalus - - - + - - - + + - - - +
Leucaspius
delineatus
- - - + - - - + - - - - -
Allburnus
alburnus
- - - + - - - - - - - + -
Abrarnis brama - - - - - - - - - - - - -
Blicca björkna - - - - - - - - - - - - -
Tinca tinca - - - - - - - - - - - - -
Chondrostoma nasus - - - - - - - - - - - - -
Barbus barbus - - - - - - - - - - - - -
Gobio gobio - - + + - + - - - - - - -
Rhodeus amarus - - - - - - - - - - - - -
Carassius carassius - - + + - - - - - - - - -
Cyprinus carpio - - + + - - - - - - - - -
Anguilla anguilla - - - - - - - - - - - - -
Esox lucius - - - - - - - - - + - - -
Acerina cernua - - - - - - - - - + - - -
Perca fluviatilis - + - + + - - - - + - - -
Gasterosteus
aculeatus
- - - - - - - - - - - - -
Pygosteus pungitius - - - - - - - - - - - - -

Völlig anders liegen die Verhältnisse bei den Fließgewässern der Forellenregion. Das Wasser ist sehr sauerstoffreich, die Temperatur beträgt maximal 18 °C. Im Gegensatz zu anderen Gewässern ist das Artenspektrum der Fische auf Salmoniden und Cottus gobio beschränkt. Für die Apiosomen ist der hohe Sauerstoffgehalt von Vorteil, starke Strömung und geringes Nahrungsangebot wirken sich dagegen nachteilig aus. So kommt es, daß die unter Steinen oder in Algen- und Pflanzenbüscheln versteckt lebende Koppe (Cottus gobio) meistens einen Massenbesatz mit A. cotti aufweist, da sich der Fisch nur selten in starker Strömung aufhält, sondern an Stellen, an denen den Ciliaten ein höheres Nahrungsangebot zur Verfügung steht. Die meist in starker Strömung stehenden Salmoniden tragen dagegen nur einzelne Exemplare von A. piscicola. Die in den Forellenbächen nur noch selten vorkommende Elritze (Phoxinus phoxinus) wies, im Gegensatz zu den in Teichen gefundenen Tieren, nie einen Besatz mit Apiosomen auf.

Tabelle 4: Fisch- und Apiosoma-Arten von nicht ablaßbaren Teichen,
die unter dem Einfluß von Überschwemmungen stehen

leucis-
cus
mini-
ciliata
carpelli pisci-
cola
gibionis baninae campa-
nulata
micro-
styla
pseudo-
piscicola
Leuciscus leuciscus + - + + - + - + -
Rutilus rutilus + - + + - - - - -
Scardinius
erythrophthalmus
- - - + - - - - -
Squalius cephalus - - - - - - - - -
Leucaspius
delineatus
+ - + + - - - - -
Alburnus alburnus - - - - - - - - -
Alburnus bipunctatus - - - - - - - - -
Abramis brama - - - - - - - - -
Blicca björkna + - + + - - - - -
Tinca tinca - - - - - - - - -
Gobio gobio - - - + + - - - -
Rhodeus amarus - - - - - - - - -
Carassius carassius - - + + - - - - +
Cyprinus carpio - - + + - - - - -
Misgurnus fossilis - - + - - - - - -
Esox lucius - - - - - - + - -
Acerina cernua - + - - - - + - -
Perca fluviatilis - - - - - - - - -
Pygosteus pungitius - - - - - - - - -

Tabelle 5: Fisch- und Apiosoma-Arten aus Gewässern der Forellenregion

cotti piscicola
Cottus gobio + -
Phoxinus phoxinus - -
Salmo trutta f. fario - +
Salmo gairdneri - +