zurück

Schwierigkeiten in der Anwendung neuer Methoden

Es gibt zahlreiche Gründe für das Fehlen der Modernisierung von systematischen Studien in allen Protozoengruppen, die anscheinend von den meisten Taxonomen vielzelliger Pflanzen und Tiere nicht geschätzt werden (siehe frühere Diskussionen über diese Situation in Corliss, 1960a, 1962a, 1963a, 1972e, und besonders 1974c). Dies liegt hauptsächlich in der Natur dieser Protisten: ihre geringe Größe, das Fehlen von Organsystemen, häufige Abwesenheit beweisbarer Sexualität, Seltenheit von Fossilformen, ökologische Allgegenwart, usw.. Der Mangel an bekannt Arten verglichen mit den Zehntausenden neuer noch nicht entdeckter und beschriebener Arten ist ein weiterer Hinderungsgrund für den Fortschritt in der Systematik und Phylogenie der Protozoen. Es ist äußerst schwierig, für die Diversität, die innerhalb eines Taxon möglich ist, Abgrenzungen zu finden, wenn viel relevante Informationen in quälender Weise unverfügbar bleiben. Ob neue oder alte Ansätze, wir werden auch mit dem Mangel an morphologischen Eigenschaften und einer noch größeren Seltenheit nicht morphologischer Eigenschaften von vergleichender taxonomischer Bedeutung konfrontiert. Obwohl wir jetzt einige "Durchbruch"-Ausnahmen erkennen hat der übliche Mangel an verwendbaren Unterscheidungs-Merkmalen die hoch wünschenswerte Verwendung von solchen hochentwickelten statistischen Methoden zur Behandlung unserer Daten wie die multivariate Morphometrie ausgeschlossen.

Vielleicht ist das schwierigste Handicap für eifrige junge Protozoologen, ängstlich die für eine Untersuchung gewählte(n) Gruppe(n) der Systematik zu "modernisieren". Ich beziehe mich auf die unglaubliche Ungenauigkeit unserer Kenntnis jener Formen, die früher beschrieben wurden. Bei einigen Merkmalen der Arten einer Gruppe kann es relativ viele Angaben geben. Und doch können wir für andere Formen (die möglicherweise eng miteinander verwandt sind) sehr wenig über solche Gesichtspunkte wissen, wenn wir wenige Merkmale haben. Solche Lücken in unserem Wissen zu füllen, ist eine - manchmal unmögliche - Aufgabe, die nicht sehr verlockend ist. Aber wir können kaum vergleichende taxonomische Schlüsse bleibenden Werts ohne weitere Informationen ziehen.

Ein ähnliches Problem betrifft viele Ciliaten früherer Beschreibungen, die vielleicht nur kurz unter niedriger Vergrößerung im Lichtmikroskop gesehenen von wenigen ungefärbten Tieren stammen. Trotz weniger Angaben können wir kaum solche Arten eliminieren, besonders wenn ein oder zwei "Schlüsselmerkmale" anschließend bestätigt wurden. Die Schwierigkeiten kommen vornehmlich von der Tatsache, dass viele Arten - und nicht unbedingt nur eng verwandte - verschiedene dieser offensichtlichen und vielleicht oberflächlichen Merkmale zeigen können. Wie soll man taxonomische "Verwandtschaft" sauber unterscheiden, abgesehen von oft verwickelten komplexen nomenklatorischen Gewirren?

Wir können nicht verlangen, daß Tausende von heute bekannten Ciliatenarten im erschöpfenden Detail wieder untersucht und daß solch verfeinerte (und teuere) Methoden wie die Elektronenmikroskopie verwendet werden. Außerdem führt ein zu grosses Vertrauen auf Ultrastrukturdaten zu dem Problem, auf das schon kurz von Cheissin (1965) und Corliss (1974a, c, 1976) hingewiesen worden ist. Es sollte nicht zuviel Wert auf elektronenoptische Merkmale gelegt werden, nur weil solche cytologischen Merkmale interessant und verfügbar sind. Mindestens drei Punkte sollten hier berücksichtigt werden: