Hauptgruppen
Einige Kommentare, welche die Zusammensetzung und allgemeine Charakterisierung der Hauptgruppen (Klassen und Unterklassen) betreffen, sind vor der detaillierten Beschreibung der Ordnungen und Unterordnungen und der relevanten Literatur voranzustellen. Es sollte auch den Versuch gemacht werden, die "neuen" Gruppen auf die weniger komplizierten früheren Klassifizierungen der Ciliaten zu beziehen. Deshalb wird die frühere oder jetzige Nomenklatur für die größeren Untergliederungen des Stamms absichtlich in einer ursprünglichen Form aufgeführt. Am Ende des Kapitels wird das neue Schema in voller Länge mit allen suprafamiliären Namen und Autoren und Herkunftsdaten aufgeführt (siehe Tabelle III). Dies soll als Wegweiser dienen; es kann mit Tabelle I und Tabelle II verglichen werden und mit dem ausführlicheren vergleichenden Teil über Ciliatsystematik der Vergangenheit und Gegenwart; es dient als eine sehr knappe Zusammenfassung für die detaillierte taxonomische nomenclatorische Abhandlung im ausführlichen Kapitel 20.
Es gibt drei Klassen des Stamms:
1. Die Kinetofragminophoren.Im Grunde genommen die "niedrigen Holotrichen" der älteren Literatur mit Gymnostomen, Trichostomen, Chonotrichen und Apostomen ( jetzt ohne die Apostomen), wie diese Gruppen zuvor verstanden wurden (siehe Corliss, 1961, und Kahl, 1930b, 1931c). Diesen fügte Corliss die rätselhaften Suktorien und Entodiniomorphen und die kleine Gruppe der Rhynchodiden hinzu. Es gibt zahlreiche Arten - insgesamt mehr als in einer der folgenden zwei Klassen - mit weitem Bereich der Körpergröße und oft gleichförmiger Ciliatur; die Mehrheit wird durch die Gegenwart von "Kinetofragmenten" (es sei denn, in zweiter Linie abwesend) im Oralbereich des Körpers und durch den verbreiteten Typ der telokinetalen Stomatogenese (nur in einer Gruppe apokinetal) charakterisiert.
2. Die Oligohymenophoren.
Die früheren "membranellentragenden Holotrichen" oder "höheren Holotrichen" - die Hymenostomen, Thigmotrichen und, strittig, die Peritrichen (siehe Corliss, 1961). Die Astomen, vermutlich in zweiter Linie ohne Mundöffnung, wurden jetzt hinzugefügt. Prinzipiell besitzen diese Ciliaten mit Ausnahme der Peritrichen nur eine bescheidene buccale Bewimperung und zeigen im allgemeinen eine gleichförmige Körperbewimperung; die Stomatogenese ist vom komplizierteren Typ (parakinetal oder buccokinetal); peritriche Arten (viele koloniebildend) sind sehr zahlreich; Körpergrößen variieren, aber es gibt eine Menge kleiner Formen.
3. Die Polyhymenophoren.
Die alten "Spirotrichen", mit wenig Änderungen innerhalb der Gruppe (siehe Corliss, 1961 und Kahl, 1932 b). Die Entodiniomorphen wurden, wie schon erwähnt, jedoch entfernt und verschiedene interne taxonomische Änderungen kamen zustande. Die Körper sind oft groß, aber die Gesamtzahl der Arten ist - wenn die enorme Gruppe der pelagischen gehäusetragenden Tintinninen nicht betrachtet wird - relativ klein; die meisten Arten sind freilebend; allgemein fällt die Morphologie der gut entwickelten, auffallenden adoralen Zone von zahlreichen buccalen Membranellen auf, oft mit Begleitreduktion der somatischen Cilien; die Stomatogenese ist entweder apokinetal oder parakinetal.
Die in der neuen Klassifizierung wichtige Unterteilung der drei bereits kurz beschriebenen großen Klassen bedeutet bestimmte Gruppierungen, die nicht immer als solche in der Vergangenheit erkannt wurden, obwohl diese "Subtaxa" - um wieder Mundart zu verwenden - ziemlich leicht mit früheren Gruppen verschiedener Größe und Position der taxonomischen Hierarchie vergleichbar sind. CORLISS schlägt die Anerkennung von sieben Unterklassen vor, mit der ersten bis vierten aus den Kinetofragminophoren, der fünften und sechsten aus den Oligohymenophoren und der siebten aus den Polyhymenophoren.
(1) Die Gymnostomen.
Sie können - entsprechend der Tradition und der bisherigen Namen - als Ciliaten mit nacktem Mund betrachtet werden, wenn man für die hier betrachteten Formen einen "nackten Mund" als recht einfache Bezeichnung akzeptiert. Trotz komplexer ultrastruktureller Strukturen aus dem Oralbereich sensu lato zeigen die Gymnostomen im großen und ganzen gesehen keine organisierte Bewimperung in der unmittelbaren Umgebung ihrer Mundöffnung. Die hierher gestellten Arten umfassen im Grunde genommen nur die frühere Unterordnung der "rhabdophorinen Gymnostomen" (Corliss, 1956; Fauré-Fremiet, 1950a), doch es sind jetzt fünf Ordnungen für eine richtige Darstellung erforderlich. Als vermutlich noch vorhandene Vertreter der primitivsten Ciliaten haben diesen Formen einen üblicherweise apikal (oder lateral) gelegenen Mund und einen Cytopharyngealapparat vom Rhabdos-Typ.
(2) Die Vestibuliferen.
Hierher gehören die früheren "Trichostomen" zusammen mit den ziemlich spezialisierten Entodiniomorphen entsprechend den früheren "Spirotrichen". Sie haben ein Vestibulum mit somatischer Bewimperung als Hauptmerkmal, obwohl der Cytopharyngealapparat als relativ primitiv betrachtet wird; es wird angenommen, daß die Unterklasse von einfachen Prostomatiden (Gymnostomen) abstammt.
(3) Die Hypostomen.
Das sind die früheren "cyrtophorinen Gymnostomen". Diese einzelne alte subordinale Gruppe hat sich ungeheuer ausgedehnt, noch mehr als die "Rhabdophorinen" einzuschließlich verschiedener früher allein stehender Gruppen wie die Microthoraciden, die Rhynchodiden, die eigenartigen Apostomen, die Hypocomiden und die erstaunlichen Chonotrichen: 6 Ordnungen und 10 Unterordnungen. Die typischen Arten dieser Gruppen besitzen ein ventrales Cytostom, oft mit nahegelegenen Atrialcilien und einem komplexen Cytopharyngealapparat vom Cyrtos-Typ.
(4) Die Suctorien.
Als diskrete Gruppe der Protozoen zeichnen sich die Suktorien prinzipiell durch den gemeinsamen Besitz von Saugtentakeln und einen nicht kontraktilen Stiel aus, mit einem unbewimperten adulten Stadium und einem teilweise bewimperten Körper der knospenden "larvalen" Schwärmstadien.
(5) Die Hymenostomen.
Dies sind die Ciliaten mit "Mundmembranen" der (relativ unauffälligen) "Holotrichen" früherer Klassifizierungen. Jetzt umfasst die Gruppe zwei Unterklassen von Oligohymenophoren, sowohl die astomen Ciliaten ohne Mundöffnungen als auch die "regulären" Hymenostomen und Scuticociliaten (letztere Gruppe enthält die meisten früheren "Thigmotrichen" der Literatur).
(6) Die Peritrichen.
Bei dieser sehr lange bekannten Gruppe der Peritrichen ist ihre wahrscheinlichste phylogenetische Beziehung zu anderen Ciliaten immer noch unbekannt; die meisten Autoren vermuten Verwandtschaft mit den Hymenostomen sensu lato. Ihre Morphologie wird von Strukturen an den zwei funktionellen Polen des Organismus dominiert: der Cilienkranz aus buccalen Organellen am oralen und dem Stiel oder der Haftscheibe am anderen (aboralen) Ende.
(7) Die Spirotrichen.
Die einzige Unterklasse der Polyhymenophoren. Diese Ciliaten sind den "Spirotrichen" früherer Klassifizierungen (abzüglich der Entodiniomorphen) eindeutig ähnlich. Die 4 Ordnungen sind durch den gemeinsamen Besitz einer auffallenden adoralen Zone buccaler Membranellen, eingeschränkter somatischer Bewimperung (ausgenommen die Heterotrichen) und allgemein (besonders bei Hypotrichen) vorhandene Cirren charakterisiert. Einige Autoren würden die Oligotrichen (einschließlich Tintinninen) als eigene Unterklasse abtrennen.