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Allgemeine Beschreibung

Die Ciliophora bilden eine hoch differenzierte Formensammlung, die trotz beträchtlicher interner Vielfalt eine der homogensten Gruppen innerhalb des ganzen Reichs Protista darstellt. Das Taxon verdient eindeutig den Status des unabhängigen Stamms, dem es formal zugeordnet wurde (Corliss, 1974a; Raabe, 1964a).

Die bekannten Arten (als Einzelindividuen: eine Kolonie - als eine Ansammlung von Zooiden - kann viel größer sein) erstrecken sich in Körperlänge von 10 µm bis 4.500 µm und ihre Körperformen bewegen sich von rundlich über eiförmig bis stark verlängert, mit lateral oder dorsoventral abgeflachten, spiraligen oder noch mehr bizarren und zahlreichen Formen (z.B. mit "Schwänzen" oder "Köpfen" und "Hälsen"). Die Körperform ist - auf einem bestimmten Stadium - von Dauerhaftigkeit oder Stabilität durch einen deutlichen komplexen fibrillären Cortex. Eine Cytostom ist normalerweise vorhanden. Einfache oder in größerer oder geringererer Fülle in verschiedenen Mustern über den Körper und/oder um die Mundöffnung herum in zusammengesetzte Cilienorganelle organisierte und verteilte Cilien werden zur Fortbewegung (schwimmen oder kriechen), Nahrungsaufnahme (im allgemeinen als Filtrierer) oder seltener als Tastorganelle oder zum Anheften (normalerweise temporär) an irgendein Substrat verwendet. Eine Infraciliatur ist überall vorhanden. Außer einer kleinen primitiven Gruppe haben sie zwei Kernarten; das heißt, die meisten Ciliaten besitzen einen zweifachen Kernapparat, oft mit mehr als einem von jeder Art. Die Mikronuclei führen eine azentrische Mitose mit intranuclearem Spindelapparat ohne Auflösung der Kernhülle durch.

Die bevorzugten Lebensräume erstrecken sich über eine breite Vielfalt ökologischer Nischen für die freilebenden Formen bis zu einem ganzen Bereich von Beziehungen zu sowohl Wirbeltier- als auch Evertebratenwirten bei symbiontischen Formen. Einige Arten dienen selbst als Wirte für Ecto- oder Endosymbionten. Ein Anzahl von Fossilformen - im Grunde genommen alle aus marinen Lebensräumen - ist jetzt bekannt: die gehäusebildenden Tintinninen sowie einige Heterotriche mit Gehäuse (die zweifelhaften Fälle eines Parameciums und mehrerer Hypotrichen nicht zu erwähnen). Einige Ciliaten zeigen Farbe: über cytoplasmatische Pigmente, symbiontische Algen, frisch aufgenommene Nahrung oder gespeicherte Reserven.

Freilebende Gruppen, überwiegend freischwimmend, festsitzend oder festgewachsen, nehmen folgende Lebensräume ein: Süsswasserteiche, Seen, Flüsse, Buchten, Mündungen, Ströme, Staubecken, temporäre Pfützen, unterirdische Gewässer und Belebtschlamm; Erde, Wüstensand, Waldboden und andere edaphische Biotope; Marschen, Sümpfe, brackige Wasser, Salzseen und salzhaltige Teiche; und marine Bereiche, von felsigen Küstenpfützen, Schlamm oder Sand, intertidalen Zonen bis zum offenen Wasser oder tiefen Golfen, Meeren und Ozeanen erstrecken. Symbiontische weniger zahlreiche Formen leben weithin als harmlose Ektokommensalen oder Epibionten oder Symphorionte am häufigsten auf dem Integument von Wirbellosen; aber andere leben als Endokommensalen im allgemeinen in Körperhöhlen oder dem Verdauungstrakt sowohl in Wirbeltieren als auch in Wirbellosen. Relativ wenige Ciliaten können als echte, für ihre Wirte wirklich schädliche Parasiten betrachtet werden; und nur eine Gattung (das trichostome Balantidium) lebt parasitisch im Menschen. In allen Fällen können die Wirte - besonders bei aquatischen Wirbellosen - dieselbe ökologische Verbreitung wie freilebende Ciliaten haben.

Die sehr breite geographische und klimatische Verbreitung der Ciliaten und ihr Artenreichtum in vielen Lebensräumen wird von ihrer bemerkenswerten Toleranz oder Anpassungsfähigkeit gegenüber physikochemischen Zuständen der Umgebung beeinflußt. Bereits vor dem Aufkommen der hochentwickelten heute gebräuchlichen Methoden erkannte man, dass der einzige wichtigste ökologische Faktor, der ihre Verteilung und Fülle kontrolliert, zweifellos das Nahrungsangebot ist.

Alle Mitglieder des Stamms sind heterotroph, aber Nahrungserwerb und Nahrungsvorlieben zeigen einen großen Variationsbereich: bakterivor, algivor, fungivor, herbivor, carnivor, omnivor, microphag, histophag, kannibalisch, holozoisch, phytophag, phagotroph, osmotroph, pinocytär, Filtrierer, Partikelfresser, Detritusfresser und Aasfresser (die Begriffe dieser Liste überlappen sich, wenn die Ciliaten überlappende Vorlieben haben). Durch ihre Stoffwechselempfindlichkeiten und ihre Geschmacksvorlieben sind sie als Prüfungsorganismen, Verschmutzungsindikatoren und pharmakologische Werkzeuge sehr geeignet.

Manche bewimperten Protozoen zeigen polymorphe Lebenszyklen, und viele können verschiedenartigste Zysten bilden (Corliss & Esser, 1974; Poljansky & Cheissin, 1965 ). Vermehrung (genau genommen nur asexuell bei Ciliaten) erfolgt als Monotomie, Palintomie, Knospung (verschiedene Typen) oder Strobilation und kann isotom oder anisotom sein. Teilung ist weithin perkinetal. Stomatogenese entspricht grundsätzlich einer von vier Hauptarten: telokinetal, parakinetal, buccokinetal oder apokinetal (Corliss, 1973e). Das sexuelle Phänomen der Konjugation ist entweder isogamontisch oder anisogamontisch und ist temporär oder total (Raikov, 1972a). Die Meiose ist "gametischer" Natur. Einige Arten können Gehäuse bilden. Im reifen Stadium ist eine stattliche Anzahl der Ciliaten festgewachsen oder festsitzend, einzeln oder in Kolonien, oft an das (lebende oder unbelebte) Substrat mit einem abgesonderten Stiel gebunden. Es gibt unterschiedliche Typen der Koloniebildung; bei den sessilen Peritrichen hat sie anscheinend den Gipfel der evolutionären Entwicklung im komplexen, baumartigen System von Zooiden erreicht.

Ciliaten besitzen ein reiches Sortiment von Organellen, Einschlüssen und extracorporalen Strukturen neben den "normalen" intra- oder extracellulären Bestandteilen oder Merkmalen der üblichen (Metazoen- oder Metaphyten-) Zelle - sowie einige erstaunliche Eigenschaften als "ganze Organismen".